Eine Gemeinschaftsschule für alle!

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21.02.2010

Hier zählt soziales Engagement

Florentine Anders
Mit Beginn des Schuljahres 2008/09 startete das Pilotprojekt der Gemeinschaftsschule. Dort ist das längere gemeinsame und individuelle Lernen von Klasse 1 bis 10 oder sogar bis zum Abitur fest verankert. Die Nachfrage der Eltern ist groß. Deshalb soll dieses besondere Angebot weiter ausgebaut werden. Eine der beliebten Gemeinschaftsschulen ist die Evangelische Schule Berlin-Zentrum in Mitte.

Ronja ist 15 und hat ihre erste große Herausforderung schon hinter sich. Gemeinsam mit fünf Freundinnen hat sie eine Radtour von Berlin bis zur Ostsee unternommen. Auf der Insel Hiddensee haben sie einen Beitrag zur Biotoppflege der Heide geleistet. Die Mädchen hatten eine Studentin als Begleitung, zur Sicherheit – in den Ablauf sollte sie sich nicht einmischen. „Wir hatten ein Budget von 150 Euro, mussten einkaufen und Unterkünfte auf der Strecke besorgen“, erzählt Ronja. Meist seien sie in Gemeindehäusern untergekommen. „Natürlich war die Tour auch körperlich eine Herausforderung. Das Schwierigste aber war immer wieder, als Team zusammenzufinden“, sagt Ronja. Zwischenzeitlich hätte sich die Gruppe heillos zerstritten. Ronja ist von einem Pankower Elite-Gymnasium an die Gemeinschaftsschule gewechselt. Sie sei mit dem Leistungsdruck am Gymnasium ganz gut klargekommen, doch ein Besuch an der Evangelischen Schule habe sie total begeistert von dem Konzept.

Die Eltern hätten zunächst Bedenken gehabt, ob sie an dieser Schule tatsächlich so viel lernen kann wie am Gymnasium. Doch schließlich konnte sie sie überzeugen. Von der Schulleiterin gab es für Schüler, Eltern und Lehrer des

Gründungsteams eine Mutkarte. Immerhin war es gewagt, dem Reformkonzept zu folgen. Inzwischen kann sich die Schule vor Anmeldungen kaum retten.

UNTERSCHIEDE ALS BEREICHERUNG

Bei der Auswahl der Schüler legt die Schulleiterin Wert auf Unterschiedlichkeit – vom Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf bis zum Hochbegabten soll alles dabei sein. „Wie wollen wir weltweit das friedliche Zusammenleben lernen, wenn wir nicht in der Schule lernen, mit Unterschieden umzugehen und sie als Bereicherung zu erleben.“, sagt Rasfeld. Auch in diesem Sinne verstehe sie die christliche Erziehung an der Evangelischen Schule. Und auch der Gemeinsinn wird nicht dem Zufall überlassen. In dem Fach „Verantwortung“ suchen sich alle Schüler der siebenten und achten Klassen ein Projekt, in dem sie gemeinnützige Arbeit leisten. Einige helfen in einer Behinderteneinrichtung, andere üben in einer Grundschule lesen. „Die Jugendlichen wollen in der Gesellschaft gebraucht werden, dafür bekommen sie an einem Tag pro Woche Unterrichtszeit als individuelle Lernzeit geschenkt“, sagt die Schulleiterin. Möglich sei das durch die zusätzlichen Stunden im Ganztagsbetrieb.

Jede Woche Freitag treffen sich alle Schüler und Lehrer zur Schulversammlung. Hier kann Jeder eine andere Person auszeichnen. Mal ist es der Mitschüler, der durch seine Witze den Schulalltag lustiger macht, mal eine Schülerin, die einen Streit schlichten konnte. Und fast immer der Hausmeister.


Artikel erschienen am 21.02.2010 in der Berliner Morgenpost




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